IMG_2943[2]

Schilderwald im HEB

Eine neue Filiale der amerikanischen Supermarktkette HEB hat aufgemacht. Schon seit Monaten erwarten wir gespannt die Eröffnung direkt bei uns um die Ecke.

Bislang musste ich immer durch die halbe Stadt fahren um bei HEB einkaufen zu können. Hier gibt es Produkte, die ich woanders nicht bekomme. Dazu zählt z.B. ungesüßtes Apfelmus, diverse Organic-Produkte, leckeres Vanilleeis, und und und.

Nun hat der Laden endlich eröffnet!! Blaue Luftballons zieren den Parkplatz am Eröffnungstag und machen mich auf das heißbegehrte Ereignis aufmerksam.

Zwei Tage später ist es endlich soweit: ich fahre einkaufen.

Bei der Einfahrt zum Parkplatz trifft mich fast der Schlag. Ich bin geblendet von blauen Schildern mit weißen Männchen. Tatsächlich ist fast jede einzelne Parknische mit einem Schild versehen, dass auf die Besonderheit dieses Parkplatzes hinweist. Es gibt nicht nur Millionen Behindertenparkplätze -nein, es gibt auch Parkplätze für Schwangere, für Familien mit Kindern, für Müttern mit Kinderwagen und Alte mit Krückstock. Nicht dass ich etwas dagegen hätte, ich frage mich nur gerade „Und wo soll ich parken?“. Meine Kinder habe ich zuhause gelassen, den Krückstock ebenfalls, Schwanger bin ich auch nicht und mit einem Rollstuhl kann ich leider auch nicht aufwarten. Mmmmhh. Und jetzt?

IMG_2944[3]

Ganz hinten – gefühlt am weitesten entfernt vom Eingang – finde ich einen der rar gesähten Parkplätze für „Normale“. Kann das sein?

Gut, es gibt viele Familien und Schwangere die einkaufen. Aber eine Person mit Krückstock ist mir seit wir hier sind noch NIE über den Weg gelaufen. Einen Rollstuhlfahrer habe ich tatsächlich schon gesehen. Aber braucht der 20 Parkplätze? Wie hoch ist die Wahrscheinlichkeit, dass 20 Rollstuhlfahrer gleichzeitig bei HEB einkaufen? Eine spannende Aufgabe für „Statistik für Anfänger im Grundstudium der Medizin“…

Wie toll, dass die Amis sich so fürsorglich um ihre Kunden kümmern, versuch ich mir die Situation schön zu reden. Leider muss ich dieses Statement nach dem Einkauf revidieren. Denn, ganz im Gegensatz zu meinen Erfahrungen in allen anderen Supermärkten, gibt es hier niemanden, der mir an der Kasse meine Einkäufe gegen ein kleines Trinkgeld einpackt. Es steht auch niemand bereit, um meinen Einkaufswagen zum Auto zu fahren und die Sachen ins Auto zu laden. Gerade hier, wo ich einen eeeeewig langen Weg zu meinem Auto zurücklegen muss, bietet mir niemand seine Hilfe an!

Schade eigentlich! Für mich eine klare Verfehlung der Kundenfreundlichkeit. Ich bin gespannt, wie sich diese Strategie im Alltag trägt… Ich jedenfalls kaufe hier nur die nötigsten Dinge ein!

(Ich frage mich gerade, wie der Rollstuhlfahrer seinen Einkaufswagen allein zum Auto schiebt… )

 

Nachtrag:

Nicht, dass ihr mich falsch versteht. Es ist nicht so, dass alle Mexikaner topfit durch die Straßen laufen, aber wir leben hier in einem Land in dem der Generationenvertrag weitestgehend noch funktioniert. D.h. alte und behinderte Menschen müssen nicht alleine einkaufen – oder überhaupt einkaufen gehen. Das erledigen normalerweise die Töchter…..

 

2 Gedanken zu „Schilderwald im HEB“

  1. Liebe Dorte, nach gefühlter Ewigkeit mal wieder ein Kommentar zu Deinem grandiosen Blog: Dieser Beitrag hat mich sehr erheitert, Deine philosophischen Hinterfragungen sind top – und der allerletzte Satz hat mich in meiner gegenwärtigen Lebenssituation sehr beruhigt: Auch ganz weit weg machen Töchter alles für ihre „Alten“ 😉
    Sei lieb gegrüsst!!! Deine Birgit

    1. Und ich bin mir sicher Dein „Alter“ 😉 wird’s Dir danken!
      Wie schön von dir zu lesen. Ich schaue mir ja keine Statistiken an und weiss immer gar nicht, ob sich außer meiner Familie überhaupt jemand für das Geschriebene interessiert. Umso mehr freue ich mich über Deinen Kommentar. Ganz liebe Grüße nach Niendorf und jede Menge Kraft für Dich!
      Deine Dorte

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *