Einkaufen auf Mexikanisch

Ich erlebe jeden Tag so viel Neues, dass ich gar nicht nachkomme Euch davon zu berichten. Oft sind es nur kleine Anekdoten, aber trotzdem sind sie es eigentlich, die es Wert sind Euch zu erzählen. Im Prinzip sind es nämlich die Kleinigkeiten, die das Leben hier so anders machen.

Das fängt beim Einkaufen an und hört beim Besuch von Freunden auf.

Es herrschen einfach andere Regeln.

So wollte ich z.B. letzte Woche nur schnell eine einfache, schlichte „Dankes-Karte“ kaufen, um diese an einen unserer Nachbarn zu schicken, um mich für das nette Willkommensgeschenk zum Einzug zu bedanken.

Ich fahre also zum Plaza Mayor in das Geschäft Sorbonnes. Dort habe ich neulich schon mal gesehen, dass es Karten gibt. Die gibt es auch – reichlich! Jedoch muss ich schnell feststellen, dass eigentlich alle Karten thematisch festgelegt sind. So auch die Danksagungskarten. Sie beziehen sich alle auf bestimmte Ereignisse oder Freundschaft. Und als Freunde würde ich meine Zielpersonen bestimmt noch nicht bezeichnen. Eine einfache Karte nur mit „Gracias“ gibt es nicht. Und Karten ohne Text kann ich auch nicht finden. Gibt es denn so was? Ich bitte um Hilfe! Ein netter junger Mann bietet sich auch gleich an mich zu unterstützen. Ich erkläre ihm die Situation und den Zweck meiner Karte. Nach langem Suchen findet er tatsächlich 3 Karten ohne vorgefertigten Text! Leider sind die Motive nicht so ganz passend. Karte Nr. 1 : ein riesiges gefülltes Bierglas. Karte Nr. 2: ein Bild vom Eiffelturm. Karte Nr. 3: eine Blume.

Gut, da fällt mir die Entscheidung nicht schwer. In Anbetracht der Tatsache, dass kein Geschäft in der Nähe ist, das Alternativen anzubieten hat und ich zeitlich ein bisschen unter Druck stehe, entscheide ich mich für das Bierglas! Typisch deutsch!

Neeeeein! Natürlich nicht! 🙂

Nachdem mir der Verkäufer erklärt hat, dass der Inhalt der Worte zählt und ich im Prinzip eigentlich jede der 3 Karten wählen kann, so lange ich meinen Nachbarn meine ehrliche Dankbarkeit ausspreche und ihnen mitteile, dass ich mich sehr willkommen geheiße fühle, entscheide ich mich für die Blume. Da erklärt er mir ausgiebig, dass jede Blumen eine Bedeutung hat in Mexiko. Ooooh man, ist das kompliziert. Aber sogleich erinnere ich mich (mal wieder) an unser interkulturelles Training, wo auch Andreas uns darauf hingewiesen hat vorsichtig zu sein bezüglich des Mitbringens von Blumen bei Einladungen! Ein großes Potential für Fettnäpfchen…

Mittlerweile sind übrigens geschlagene 45min vergangen. Ich glaube, ich habe noch nie so lange dafür gebraucht eine Karte zu kaufen. Andererseits wurde ich auch noch nie so nett beraten und eingeführt in die mexikanische Kultur. Gleichzeitig nutze ich die Gelegenheit um mein mickriges Spanisch anzuwenden, denn der Verkäufer spricht nur ein paar Bruchstücke Englisch . Er ist sehr geduldig mit mir und meinen Wortfindungsstörungen und am Ende weiß ich viel über ihn und seine bislang leider geringen Reiseerfahrungen, seine Wünsche dies zu tun und über Freunde, die schon mal in Deutschland waren. Und er weiß wo ich herkomme, dass ich neu in León bin und 2 Kinder habe und mich bislang sehr wohl fühle hier!

Nach knapp einer Stunde sitze ich wieder im Auto, mit einer Karte im Gepäck, die eine weiße Blume ziert, welche  angeblich „Respekt“ ausdrückt und einigen Tipps dazu, was mexikanische Nachbarn  erwarten!

Also ein voller Erfolg!

 

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