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Die Geschichte von den Autoreifen

Platte Autoreifen gehören hier zum Alltag.

Was mir in Deutschland seit der Erlangung meines Führerscheins noch nie passiert ist, habe ich nun bereits 2x erlébt. Und das ist in knapp 4 Monaten ein durchaus guter Schnitt.

Wo wir Sonntag abend noch fröhlich mit aufgepumpten Reifen nach Hause gekommen sind,  sah die Situation am Montag morgen schon ganz anders aus.

Montag morgen: Wir haben einen Termin bei der Einwanderungsbehörde. Sie brauchen dort noch meine Finderabdrücke und auch Jonathan und Naoh müssen persönlich vorstehen, damit wir drei endlich unser finales Visum bekommen. Da Frank derjenige ist, wegen dem wir hier sind und von dessen Visum unseres abhängt, muss auch er mit zum Amt.

Beim Frühstück beschließen wir mit 2 Autos zu fahren, damit Frank im Anschluss des Termins direkt in die Firma fahren und ich die Kinder in die Schule bringen kann.

Guter Plan. Vollbepackt und präpariert für eine etwaige lange Wartezeit in der Behörde, gehe ich zu meinem Auto und… entdecke eine ÜÜÜÜberraaaaschung! Ein „Plattfuß“ – hinten rechts.

Umdisponieren ist angesagt.

Wir fahren mit einem Auto zum Amt 🙂

Aber wie kriege ich nachher mein Auto in die Werkstatt bzw. zum Vulcanizadora? Fahren geht definitiv nicht. Muss ich das Auto abschleppen lassen? Wer kann mir weiterhelfen?

Während wir zur Behörde fahren, gehen Frank und ich sämtliche Möglichkeiten durch und suchen nach Lösungen.

Da fällt mir Eduardo ein. Eduardo ist Versicherungsvertreter und hat mir bereits mehrfach geholfen, als es um die Kommunikation mit Autowerkstätten ging. Die Systeme bzgl. Rechnungsbegleichungen sind hier nämlich etwas komplizierter – nein sagen wir besser „anders“ 🙂 als in Deutschland. Ausserdem ist es nicht selbstverständlich, dass Automechaniker oder andere Werkstattmitarbeiter mit Frauen kommunizieren – so wurde mir von vielen Seiten berichtet. Selber habe ich diese Erfahrungen glücklicherweise noch nicht gemacht. Bislang waren eigentlich immer alle sehr nett, aber häufig haperte es an der sprachlichen Kommunikation. Die Herren in solchen Werkstätten mögen definitiv nicht langsam sprechen oder etwas in anderen Worten nochmal ausdrücken… Naja, anderes Thema.

Also – ich schreibe Eduardo eine WhatsApp und bekomme auch prompt eine Antwort. Er kümmert sich, ich solle mir keine Sorgen machen . Das klingt schon mal gut. Nachdem wir diverse Nachrichten mit notwendigen Informationen ausgetauscht haben, versichert er mir, dass um 11h jemand kommt, um den Reifen zu wechseln.

Hoffentlich schaffe ich es rechtzeitig zuhause zu sein. Die Kinder muss ich ja auch noch in der Schule abliefern…

Aber das Glück ist mir hold. Die Wartezeit im Amt hält sich in Grenzen und ich schaffe es um 11:05h zuhause zu sein.

Bis 13h ist keiner da. Dafür habe ich inzwischen bereits 3 Kontrollanrufe von unterschiedlichen Personen bekommen, die nachfragten, ob denn schon jemand vor Ort wäre. Wie sich später herausstellt, hat Eduardo gleich 2 Unternehmen beauftragt, den Reifen zu wechseln, in der Hoffnung, dass eine davon auch kommt.

Das ist tatsächlich der Fall. Um 13:30h steht ein höflicher, zurückhaltender junger Mann vor meiner Tür und wechselt schwupp die wupp den Reifen (gegen mein Reserverad). Ich bin glücklich.

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Jetzt muss ich das gute Stück nur noch reparieren lassen.

Gerade als ich losfahren will, um die Kinder von der Schule abzuholen klingelt es wieder. Ich öffne die Tür und … die 2. Firma steht vor meiner Tür um meinen Reifen zu wechseln. Pech – leider zu spät!

Am Dienstag mache ich mich auf den Weg zum Vulcanizadora. Beim Vulcanizadora werden Reifen geflickt. Das ist in León ein einträgliches Geschäft, denn die Straßen sind häufig eher in einem schlechten Zustand, mit Schlaglöchern versetzt, steinig oder mit Geröll und Müll beladen. Daher ist es nicht ungewöhnlich, dass Schrauben oder Nägel in den Reifen stecken oder spitze Steine Löcher in die Reifen schlagen. Häufig merkt man es gar nicht und kann noch eine Weile fahren, aber spätestens wenn es regnet und man durch Pfützen fährt, sieht und spürt man das Maleur.

Vulcanizadora gibt es viele, aber nicht alle sind zwangsläufig vertrauenswürdig…

Meine Ziel wurde Frank empfohlen, und auch von ihm (und Jonathan !) nach dem 1. Besuch als gut bewertet.

Ich halte mit meinem Auto vor dem kleinen Laden abseits der großen Straßen. Die Werkstatt ist ein kleiner fensterloser Raum -vielleicht 15qm groß- und liegt direkt am Bürgersteig. Eigentlich eher wie eine Mini-Garage. Papa und Sohn (Antonio und Christian) betreiben ihn zu zweit. Sie sind sehr freundlich und nehmen sich direkt meines Reifens an. Natürlich ist schnell klar – ich bin keine Mexikanerin.  Das bietet Stoff zur Unterhaltung und während ich von Christian Urlaubstipps für Mexiko bekomme, ist Papa Antonio fleißig und repariert meinen Reifen. Mein Buch habe ich definitiv umsonst mitgenommen. Nun kommt auch noch Rudolfo, Christians bester Freund, vorgefahren. Nun wird’s richtig lustig. Ich bekomme eine Gratisstunde Spanischunterricht und habe neue Freunde.

IMG_2028Antonio, Christian, Dorte und Rudolfo

 

Wenn ich das nächste Mal einen Platten habe, weiß ich auf jeden Fall wen ich anrufe. Die Jungs haben mir zugesichert sofort zu helfen – ohne lange Wartezeit. Das glaube ich sogar!

Nach einer Stunde kurzweiliger Unterhaltung, mache ich mich wieder auf. Der Besuch ein voller Erfolg! Ich freue mich über einen so positiven Vormittag!

Ach ja, und der ganze Spaß hat mich nur 100 Pesos (~ 5€) gekostet. (Frank und Jonathan mussten beim letzten Mal 150 Pesos bezahlen….  🙂 )

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